Angst

„Deine Welt ist nichts für mich.“ Immer und immer wieder hallen die Worte deiner WhatsApp durch meinen Kopf. Deine anfängliche Neugier ist zu Angst geworden. Angst vor dem Schmerz, Angst vor mir. Angst vor dem, zu dem ich werden kann.

Im Fernseher lief „Atemlos – Gefährliche Wahrheiten“. Wir teilten uns ein Bier. Eben hattest du die Email an mich gelesen. Darin ein Text. Ein kleines Kapitel eines Buches, dass ich mit einer Freundin schreibe. Darin geht es um Sex. Aber anders als du ihn kennst: rau. Animalisch. Und ja – bisweilen auch schmerzhaft.

Du siehst mich schon seit einigen Minuten wortlos an. Dein Blick eine Mischung aus Furcht und Neugier. Bisher hast du nur meine guten Seiten genossen: ich war dein Bollwerk gegen die Dämonen der Nacht. Böse Geister aus der Vergangenheit, die dir den Schlaf rauben. Mein Schlaf ist nicht sonderlich tief, sodass ich immer aufwache, wenn du im Schlaf seufzt. Unruhig wirst. Wenn ich nichts machen würde, wärst du in weniger als zwei Minuten wach. Würdest erschrocken ins Dunkel blicken. Und den Rest der Nacht keine Ruhe mehr finden.

Und so ziehe ich dich zu mir. Küsse deinen Hals. Flüstere dir etwas ins Ohr. Vielleicht war es „Ruhig, my Little. Ich bin da. Ich weiche nicht.“ während ich deine Wange streichle. Ich kann spüren, wie sich dein Körper wieder entspannt. Du wieder in tiefere Gewässer des Schlafes driftest. Nun. Das ist die eine Seite: unbeugsam. Schützend. Der Fels in der Brandung. Ab und an humorvoll.

In der Email siehst du zum ersten Mal meine andere Seite: ich nehme mir, was ich will. Was ich brauche. Ich bin dabei nicht zimperlich und scheue nicht davor zurück, Schmerzen zuzufügen, um meinen Willen durchzusetzen. Meinen Trieb zu befriedigen. Der Blick, den du innerhalb von Tagen zu lieben gelernt hast: nun macht er dir Angst. Das was du für Entschlossenheit hieltest, ist nur eins: Gier. Nach dir.

Du konntest mich diese Nacht nicht bei dir lassen. Das verstehe ich. Zum einen die Enttäuschung, dass ich nie mit dir darüber geredet habe, zum anderen das Unverständnis, dass du es nie gemerkt hast.

Hast du gut geschlafen, Süße?“ quittiertest du nur mit einem „Nein.“

Natürlich weiß ich warum. Ich weiß, was dich so quält. Du hast es mir erzählt. Und ich habe dir versprochen, da zu sein. Auf dich aufzupassen.

Den restlichen Tag herrscht Funkstille. Nichts.

„Deine Welt ist nichts für mich.“

Die Nachricht trifft mich wie ein Hammer. Mir ist kurz schwindelig. Das war´s also? Vom restlichen Tag weiß ich nicht mehr viel. Ich habe meine Wut wahrscheinlich in zu viel Whiskey ertränkt.

„Das war´s also?“ 21:32 Uhr zeigt der Zeitstempel meiner Nachricht. 21:33 der, der deinen: „Du fehlst mir!“ Du hast also nur auf eine Nachricht gewartet? „Komm her!“ schreibe ich.

Nur zehn Minuten später klingelst du. Leise tröpfelt Musik aus den Lautsprechern. Die Kerzen flackern. Und wir reden. Wir redeten den ganzen Abend. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich war erledigt. Du wolltest nur noch deinen Wein austrinken.

Ich werde wach, als du dich auf meine Hüfte setzt. Ich sehe deine Brüste im Mondlicht, das zum Schlafzimmerfenster hereinfällt. Noch im Halbschlaf spüre ich, wie mein Schwanz in dich eindringt. Ich ziehe die Luft zwischen meinen Zähnen ein. Du lächelst, als ich mich unter dir aufbäume. Du greifst nach meinen Händen, legst meine rechte auf deine linke Brust, meine linke an deine Kehle. „Nimm dir, was du brauchst. Ich bin dein!“

Augenblicklich fühlt sich dein Hals an, als wäre er in einen Schraubstock geraten. Das Zwicken deines Nippel, den ich schmerzhaft zusammendrücke nimmst du schon nur noch unterschwellig wahr. Du schließt deine Augen. Genießt, dass dein Stöhnen nur ein leises Röcheln ist. Genießt es, mich führen zu lassen. Vor einigen Stunden habe ich dir gesagt, dass mein Verständnis von BDSM tiefes Vertrauen ist. Dass die Sub ihrem Dom vertraut, dass er sie nicht verletzt. Dass der Dom ihr vertraut: dass sie ihn gewähren lässt, sie ihm ihre Grenzen zeigt. Und beide daran entlangtanzen wie auf Rasiermessers Schneide.

Immer und immer wieder, ziehe ich dich an deinem Hals auf meinen Schwanz. Presse mich so tief ich kann in dich. Ich lasse deinen Hals los, vergrabe meine Hand in deinen Haare und ziehe dich von mir. Auf´s Bett. Drücke dein Gesicht in die Kissen. „Arsch hoch!“ sage ich zu dir, während ich deine Backen leicht spreize. Ihn an deinen Po lege. In dich eindringe. Laut stöhnst du auf. Lange werden wir beide nicht mehr brauchen, wenn ich deine Beckenbewegungen richtig deute. Ich schaffe es gerade noch ein „Sei laut!“ in dein Ohr zu flüstern, als du dem Orkan in deinem Inneren freien Lauf lässt. Dein Stöhnen. Aufbäumen. Wie du deinen Arsch gegen mich schiebst. Mich noch tiefer in dir spüren willst. Das Wiegen deiner Brüste. Ich ziehe dein Becken gegen mich. Bewege mich nicht mehr, als ich tief in dir komme. Sanft bewegst du dein Becken.

Ich lasse mich neben dich fallen. Ziehe dich zu mir. Dich auf mich. Du legst deinen Kopf auf meine Brust. Als würdest du mich schon wieder reiten wollen, liegst du auf mir. Während ich dir den Rücken streichle, dir sage, was das mir bedeutet hat, dir sage, dass du mein Ein und Alles bist, schlafen wir ein.

Ein unglaublich unruhige Nacht, ich kann die Dämonen fast spüren. Ein Seufzen im Schlaf und ich schlage die Augen auf. Ich bin allein. Ich habe dich voller Wut weggestoßen. „Deine Welt ist nichts für mich.“ Du kennst diese Welt doch gar nicht. Sie ist voller Liebe, Zuneigung und Vertrauen. Was ich dir schlussendlich verweigerte. Aus Angst.

Nun büße ich Nacht für Nacht mit diesem Traum. Das es eben doch hätte funktionieren können. Ich habe jetzt meinen eigenen Dämon.

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