Angst

„Deine Welt ist nichts für mich.“ Immer und immer wieder hallen die Worte deiner WhatsApp durch meinen Kopf. Deine anfängliche Neugier ist zu Angst geworden. Angst vor dem Schmerz, Angst vor mir. Angst vor dem, zu dem ich werden kann.

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Blindfold

Du lehnst an meiner Schulter, spürst die Wärme meiner Haut durch mein Hemd. Du genießt mein gleichmäßiges Atmen, die Ruhe, die von mir ausgeht. Ich streichle dir sanft über die Wange.

„Können wir?“ – Ein sanftes Nicken.

Ich trete einen Schritt zurück. „Knie dich hin, sieh mich an!“ Nachdem du deine Pose eingenommen hast, die wir immer und immer wieder übten, bis deine ganze Anmut, dein Stolz mit der zu dir passenden Perfektion zum Ausdruck kamen, öffnest du deine Augen. Du beobachtest, wie ich dich kontrolliere: Augen, in der Farbe ausgewaschener Jeans begutachten deine Haltung. Dein Atmen.

Ich lege dir dein Halsband um: schwarzes Leder – einfach und schlicht – vorn ein feiner, silberner Ring.

„Folge mir!“

Eine Leine brauchen wir nicht – was mir gehört, gehorcht! Raubkatzengleich folgst du mir auf Händen und Knien ins Kaminzimmer. Ich spüre dein kurzes Zögern, als du die beiden Weingläser auf dem Tisch siehst. Normalerweise tränke ich dich, bei unserem Play. WENN du es dir verdienst.

Unsicher schaust du zu mir auf. „Blindfold“ weiterlesen

Regen

Ich schlage den Kragen meines Mantels hoch. Der Regen rinnt bereits meinem Nacken hinab. Ich beginne mich zu fragen, warum ich dir zugesagt habe. Bei unserem letzten Treffen sagte ich dir, es gäbe nichts mehr zu reden. Ein Freund von mir sagte mal zu mir, je härter die Schale, desto weicher der Kern. Vermutlich hat er Recht. „Regen“ weiterlesen

Abgefahren

Ich konnte spüren, dass das schiefgehen würde. Im Moment, in dem ich absprang, spürte ich, dass es gleich sehr sehr weh tut. Wenn ich schätzen müsste, war ich vielleicht fünf bis sechs km/h zu schnell auf dem Kicker. Ich würde den Landehügel verfehlen und im Flat landen. Und dieses Experiment macht man nur einmal mit dem Rad unter den Füßen. Ein solcher Aufprall ist selbst aus einem zwei Meter Drop mit einem Hardtail so hart, dass sich Felgen, Lenker und Pedalarme verbiegen. Wie meine Knochen das damals überstanden haben ohne zu brechen, weiß ich bis heute nicht.

Aber zurück zum Sprung: am höchsten Punkt drehe ich die Sprunggelenke leicht nach außen und spüre, wie die Klicker meine Schuhe freigeben. Ich stoße das Rad nach links weg und hoffe, dass es nicht auf den Landehang zurückgeschleudert wird. „Abgefahren“ weiterlesen

Wahnsinn

Unsere Gäste waren fort. Und so, wie andere sich nun umgezogen hätten, verändertest du dich halt einfach komplett. Aus der toughen Geschäfts- und treusorgenden Ehefrau wurde mein kleines heißes Miststück. Wenn du dich nur einmal durch meine Augen sehen könntest: wie sich schlagartig alles an dir verändert: deine Mimik, Gestik, ja sogar deine Stimmfarbe.

„Gib mir mal bitte die Teller!“ sage ich dir, der Geschirrspülmaschine zugewandt. Nichts. Keine Antwort – keine Teller.

Ich drehe mich zu dir um. Du spielst an deinen Haaren und hast deinen unschuldigsten Schulmädchenblick aufgesetzt. Aha – dies Stück wird heute also gespielt. „Wahnsinn“ weiterlesen

Weltuntergangsromantik IV

Frauen. Anders kann ich es gerade nicht ausdrücken. Die Zivilisation ist dahin. Die Menschheit zerfällt. Und du hast nichts besseres zu tun, als mir lautstark in einer nur auf den ersten Blick unbewohnten Stadt erklären zu wollen, was du für mich empfindest oder eben nicht empfindest. ‚Bringt sie bitte mal wer zum Schweigen‘ denke ich, als ich den Querschläger nahen höre.

Ein Teil deines Armes wird zerstäubt und landet als roter Nebel auf der Windschutzscheibe. Nein… dieses Wort hallt unaufhörlich in meinem Kopf hin und her, während du zu Boden gehst. Nicht nochmal. Noch ein Loch werde ich nicht graben! „Weltuntergangsromantik IV“ weiterlesen

Entfesslung

Die Hände hinter dem Kopf – gefesselt. Nackt. Die hohen Stiefel aus dem derben Leder. So knie ich vor dir. Mein Kopf ist leicht gesenkt. Meine Augen verfolgen deine Bewegungen. Du trittst an mich heran. Nah. Ich kann deine Haut riechen. Deine Wärme spüren. Ich sehe die Klinge nur kurz.

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Die Hütte

Über Stunden hatten wir an dem kleinen Bergsee gelegen. Die Sonne brannte auf uns nieder. Ich mochte deinen Geruch. Dein dezentes Parfüm. Der Duft deiner Haare, wenn du sie frisch gefärbt hast. Wir haben viel geredet. Zukunft. Freunde.

Arm in Arm gehen wir zurück zum Motorad. Der Tag war viel zu schnell vorbei. Endlich mal allein. Nett von deiner Schwester auf die Kinder zu achten.

Kupplung: check. Bremse: check. Zündung ist an. Startknopf. Der Motor der KTM 990 SM R erwacht unter einem Aufbrüllen seiner Zylinder. Das Einlegen des Ganges wird von der Maschine durch einen kräftigen Ruck an der Kette quittiert. Das Beast will los. Lassen wir es frei! „Die Hütte“ weiterlesen

Befreiung

Vorwurfsvoll blinkt mich der Cursor an. Seit Monaten ist mein Kopf wie leergefegt. Oder nein – das stimmt nicht. Eigentlich ist er voll. Worte, die ich nicht mehr sortieren kann. Gedanken, die in Sackgassen enden.

Bist du mal getaucht? Tu es mal! Wenn du am Grund bist, lass die Luft aus deinem Jacket. Der Gürtel wird dich am Grund halten. Und nun versuch zu laufen! Es wird nicht gehen. Das Wasser wird dich nicht vorankommen lassen. So ähnlich fühle ich mich gerade.

„Schatz“ sagst du, während du mich zart an der Schulter berührst. Ich zucke vor Schreck zusammen. „So wird das doch nichts“ fährst du fort. Du weißt, wieviel Druck gerade auf meinen Schultern lastet. „Ich gehe schonmal vor“, flüsterst du mir ins Ohr, „ich warte auf dich!“ „Befreiung“ weiterlesen