Blindfold

Du lehnst an meiner Schulter, spürst die Wärme meiner Haut durch mein Hemd. Du genießt mein gleichmäßiges Atmen, die Ruhe, die von mir ausgeht. Ich streichle dir sanft über die Wange.

„Können wir?“ – Ein sanftes Nicken.

Ich trete einen Schritt zurück. „Knie dich hin, sieh mich an!“ Nachdem du deine Pose eingenommen hast, die wir immer und immer wieder übten, bis deine ganze Anmut, dein Stolz mit der zu dir passenden Perfektion zum Ausdruck kamen, öffnest du deine Augen. Du beobachtest, wie ich dich kontrolliere: Augen, in der Farbe ausgewaschener Jeans begutachten deine Haltung. Dein Atmen.

Ich lege dir dein Halsband um: schwarzes Leder – einfach und schlicht – vorn ein feiner, silberner Ring.

„Folge mir!“

Eine Leine brauchen wir nicht – was mir gehört, gehorcht! Raubkatzengleich folgst du mir auf Händen und Knien ins Kaminzimmer. Ich spüre dein kurzes Zögern, als du die beiden Weingläser auf dem Tisch siehst. Normalerweise tränke ich dich, bei unserem Play. WENN du es dir verdienst.

Unsicher schaust du zu mir auf.„Ja – wir werden erst etwas trinken, bevor wir beginnen.“

„Wir?“ erwiderst du. „Ja, wir. Er und ich!“ antworte ich, und hinter uns fällt die Tür ins Schloss. „Hi, wir haben uns schon viel zu lange nicht gesehen!“ sagt er, umarmt mich und klopft mir auf den Rücken. Du kommst dir gerade etwas überflüssig vor, musterst ihn aber neugierig.

Er ist exakt genauso groß wie ich, ein bißchen kräftiger, markante Gesichtszüge, Drei-Tage-Bart. Meine und seine Augenfarbe sind sich so ähnlich, dass man sie kaum unterscheiden kann. Seine Bewegungen scheinen insgesamt runder zu sein, nicht dieses militärische kurze, wie du es von mir kennst. Er sieht dich an. „Hübsch – sehr hübsch!“ sagt er und kommt zu dir. Geht um dich herum, taxiert dich.

„Darf ich?“ fragt er. „Natürlich, sie beißt nicht!“ antworte ich lachend. Er setzt sein gewinnendstes Lächeln auf und du musst wieder unwillkürlich daran denken, wie ähnlich wir uns sind. Er streicht sanft über deinen Po und gibt ihm einen Klapps. „Hm – knackig!“

„Vorsicht!“ sage ich dunkel lächelnd zu ihm gewandt: „Du kannst alles von ihr haben. Aber Ihr Arsch gehört mir!“

Ich führe dich in die Mitte des Raumes. „Knien!“ und du nimmst deine Pose wieder ein – wenn du dich jetzt nur einen Augenblick mit meinen Augen sehen könntest: wie unglaublich schön du aussiehst, wie du fast von innen heraus strahlst!

Er und ich nehmen Platz. Er greift sein Glas Rotwein und wir stoßen an. Wortlos reiche ich ihm eine Zigarette und klaube mir selbst eine aus der Schachtel. Er zündet sie an und hustet. „Ihr raucht echt seltsames Zeug im Osten!“ sagt er und lacht sein rauhes Lachen. Ich sehe, dass er dir gefällt. Sehr gut. Das wollte ich wissen.

Ich stehe auf und gehe zur Anlage: ich nehme deine venezianische Maske, mit der feinen, schwarzen Spitze, ein dunkles Tuch und unsere Quietcomfort 35 Kopfhörer und gehe zu dir. Ich gehe vor dir in die Hocke: „Ich werde dich nun einiger Sinne berauben – damit du dich auf das konzentrieren kannst, was wirklich zählt: uns beide!“ Du schluckst.

Ich lege das Tuch über deine Augen und drücke deinen Kopf sanft nach hinten, damit es da liegen bleibt. Ich lege die Maske darüber, sodass sie das Tuch fixiert, richte deinen Kopf auf und verbinde sie hinter ihm. Dann lege ich die Kopfhörer auf deine Ohren. Noch hörst du uns wie durch Watte, spürst meine Hand am Kopfhörer tastend – und plötzlich hört die Welt auf zu existieren! Das Active Noise Cancelling zeichnet alle Umgebungsgeräusche auf und gibt sie mit reduziertem Pegel und phasenverkehrt wieder: alle, wortwörtlich alle Geräusche filtern sie nun heraus. Du sitzt in vermeintlich absoluter Dunkelheit und Stille vor uns. Nackt.

Leise tröpfeln die ersten Töne der Flöten von Smetanas „Die Moldau“ über die Bose in deine Ohren, ähnlich wie der Fluss. Zwei Flöten versinnbildlichen den Ursprung des Flusses: der warmen und der kalten Moldau gleich, werden wir dich zu deinem Ursprung führen: die Moldau, oder eigentlich Vlathava leitet sich vom germanischen Wilth-ahwa ab. Wildes Wasser. Und du wirst wild sein.

Ich führe dich zu einem kleinen Tisch, den ich eigens dafür in den Raum gestellt habe: seine Platte reicht von deinen Schultern bis knapp zu deinem Po. Ich binde deine Handgelenke an die Tischbeine, während er deine Füße an die anderen bindet. Und kaum, dass das geschehen ist, fallen wir über dich her: du spürst eine kalte Gürtelschnalle kurz deine Klit berühren, einen Schwanz, der durch deine Scham gezogen wird, eine Hand in deinen Haaren, die deinen Kopf nach hinten zieht, deine Kehle streckt, während der erste Schwanz schon tief in deine Pussy geschoben wird. Dein erstes Stöhnen wird nur daurch verhindert, dass du den zweiten in diesem Moment in den Mund geschoben bekommst. Männerhände: überall auf deinem Körper, stoßen, genommen werden, uns zu Diensten sein!

Das letzte Fünkchen rationales Denken verabschiedet sich und dein innerstes Selbst übernimmt die Kontrolle – du genießt uns in vollen Zügen. In dir, auf dir. Ein Hand, die deine Brustwarze greift, daran zieht. Eine andere: in deinen Haaren. Eine, die dir gerade genug Luft zum Atmen lässt. Woge für Woge reißt dich deine Lust fort.

Wie auf Kommando entziehen wir uns dir: du spürst Fingerspitzen zu deiner Linken, die deinem Körper hinaufstreicheln, Fingerspitzen zu deiner Rechten, die hinabstreicheln. Ein Schwanz, der so überraschend in deinen Mund geschoben wird, dass du dich in deinen Fesseln kurz aufbäumst.

Ich umklammere deine Schenkel, ziehe sie, soweit es die Fesseln zulassen, nach oben und nehme, was mir gehört: deinen Arsch. Du spürst, dass wir nicht mehr lange brauchen werden, stößt mir dein Becken entgegen, saugst an seinem Schwanz, willst jeden Tropfen unserer Lust. Ein letztes Mal stoße ich in dich, ergieße mich. Warm spürst du mich in dir kommen. Kurz darauf zieht er sich aus dir zurück und verteilt seinen Saft in deinem Gesicht.

Gemeinschaftlich lösen wir deine Fesseln, ich nehme dir die Kopfhörer und die Maske ab. „Geh bitte in die Küche, mach uns mal zwei Bier auf und für meine Königin einen Weißwein, wir brauchen hier kurz!“ sage ich zu ihm. Als er weg ist, hebe ich deinen immernoch bebenden Körper vom Tisch und trage dich zur Couch, lege dich darauf und knie mich daneben. Umarme dich, schütze dich. Küsse dich. Ich spüre dich wieder ruhiger werden. Hole das weiße, knöchellange Kleid, dass ich so an dir mag und helfe dir hinein. Wische dein Gesicht ab. Zufrieden grinst du mich an und küsst mich wieder und wieder.

Arm in Arm gehen wir in die Küche. Er sitzt lässig an den Kühlschrank gelehnt, neben sich zwei Bier und ein Glas Weißwein für dich. „Sag das nächste Mal Bescheid, dann bringe ich richtiges Bier mit!“ sagt er. „Danke, wenn ich Abwaschwasser trinken will, bediene ich mich in der Spüle!“

Er lacht sein rauhes Lachen, dass ich so an ihm liebe und du drückst dein Gesicht an mich und küsst meinen Hals.

6 Antworten auf „Blindfold“

  1. Sehr anregend, wie immer..
    Nur schade das ich mein Kopfkino gerade sehr schwer genießen kann, da zu viele andere Gedanken platz brauchen..

    Aber ich liebe deine Geschichten, bitte weiter so 🙂

  2. Wow, die ist toll. Freue mich sehr, mal wieder was von dir zu lesen.
    Vielleicht auch ein bißchen mehr von der Dame schreiben, aber ich mag die Geschichte sehr aus deiner Sicht.
    Lg

  3. Tolle Story. mein Glückwunsch. Wenn der Mensch einem Teil seine Sinne beraubt wird, werden die restlichen desto särker wahrgenommen. Das Erlebte wirkt intensiver. Werde dem neuen Bolg folgen Danke

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