Abgefahren

Ich konnte spüren, dass das schiefgehen würde. Im Moment, in dem ich absprang, spürte ich, dass es gleich sehr sehr weh tut. Wenn ich schätzen müsste, war ich vielleicht fünf bis sechs km/h zu schnell auf dem Kicker. Ich würde den Landehügel verfehlen und im Flat landen. Und dieses Experiment macht man nur einmal mit dem Rad unter den Füßen. Ein solcher Aufprall ist selbst aus einem zwei Meter Drop mit einem Hardtail so hart, dass sich Felgen, Lenker und Pedalarme verbiegen. Wie meine Knochen das damals überstanden haben ohne zu brechen, weiß ich bis heute nicht.

Aber zurück zum Sprung: am höchsten Punkt drehe ich die Sprunggelenke leicht nach außen und spüre, wie die Klicker meine Schuhe freigeben. Ich stoße das Rad nach links weg und hoffe, dass es nicht auf den Landehang zurückgeschleudert wird. „Abgefahren“ weiterlesen

Wahnsinn

Unsere Gäste waren fort. Und so, wie andere sich nun umgezogen hätten, verändertest du dich halt einfach komplett. Aus der toughen Geschäfts- und treusorgenden Ehefrau wurde mein kleines heißes Miststück. Wenn du dich nur einmal durch meine Augen sehen könntest: wie sich schlagartig alles an dir verändert: deine Mimik, Gestik, ja sogar deine Stimmfarbe.

„Gib mir mal bitte die Teller!“ sage ich dir, der Geschirrspülmaschine zugewandt. Nichts. Keine Antwort – keine Teller.

Ich drehe mich zu dir um. Du spielst an deinen Haaren und hast deinen unschuldigsten Schulmädchenblick aufgesetzt. Aha – dies Stück wird heute also gespielt. „Wahnsinn“ weiterlesen

Weltuntergangsromantik IV

Frauen. Anders kann ich es gerade nicht ausdrücken. Die Zivilisation ist dahin. Die Menschheit zerfällt. Und du hast nichts besseres zu tun, als mir lautstark in einer nur auf den ersten Blick unbewohnten Stadt erklären zu wollen, was du für mich empfindest oder eben nicht empfindest. ‚Bringt sie bitte mal wer zum Schweigen‘ denke ich, als ich den Querschläger nahen höre.

Ein Teil deines Armes wird zerstäubt und landet als roter Nebel auf der Windschutzscheibe. Nein… dieses Wort hallt unaufhörlich in meinem Kopf hin und her, während du zu Boden gehst. Nicht nochmal. Noch ein Loch werde ich nicht graben! „Weltuntergangsromantik IV“ weiterlesen

Die Hütte

Über Stunden hatten wir an dem kleinen Bergsee gelegen. Die Sonne brannte auf uns nieder. Ich mochte deinen Geruch. Dein dezentes Parfüm. Der Duft deiner Haare, wenn du sie frisch gefärbt hast. Wir haben viel geredet. Zukunft. Freunde.

Arm in Arm gehen wir zurück zum Motorad. Der Tag war viel zu schnell vorbei. Endlich mal allein. Nett von deiner Schwester auf die Kinder zu achten.

Kupplung: check. Bremse: check. Zündung ist an. Startknopf. Der Motor der KTM 990 SM R erwacht unter einem Aufbrüllen seiner Zylinder. Das Einlegen des Ganges wird von der Maschine durch einen kräftigen Ruck an der Kette quittiert. Das Beast will los. Lassen wir es frei! „Die Hütte“ weiterlesen

Befreiung

Vorwurfsvoll blinkt mich der Cursor an. Seit Monaten ist mein Kopf wie leergefegt. Oder nein – das stimmt nicht. Eigentlich ist er voll. Worte, die ich nicht mehr sortieren kann. Gedanken, die in Sackgassen enden.

Bist du mal getaucht? Tu es mal! Wenn du am Grund bist, lass die Luft aus deinem Jacket. Der Gürtel wird dich am Grund halten. Und nun versuch zu laufen! Es wird nicht gehen. Das Wasser wird dich nicht vorankommen lassen. So ähnlich fühle ich mich gerade.

„Schatz“ sagst du, während du mich zart an der Schulter berührst. Ich zucke vor Schreck zusammen. „So wird das doch nichts“ fährst du fort. Du weißt, wieviel Druck gerade auf meinen Schultern lastet. „Ich gehe schonmal vor“, flüsterst du mir ins Ohr, „ich warte auf dich!“ „Befreiung“ weiterlesen

Im Training

Das Laub raschelt unter unseren Füßen, als wir locker durch den Wald joggen. 14°C. Wir tragen beide kurz. Die Luft strömt kühl in unsere Lungen. Die Temperatur der Luft ist perfekt um unsere vom Sport aufgeheizten Körper zu kühlen. Nur auf der Brust spüre ich einen dünnen Schweißfilm. Alle fünf Minuten erteile ich ein kurzes Kommando, worauf wir 50 Meter sprinten. Wie üblich laufe ich leicht versetzt hinter dir. Ich liebe es dem Spiel deiner Muskeln im Arsch zuzusehen. Deine Körperspannung und -haltung.IMG_20150920_110419

Körperspannung – das bringt mich auf eine Idee. „Im Training“ weiterlesen

Hotel II – Traumhaft

Die Bäume rauschen am Seitenfenster vorbei – viel zu schnell war unser kleiner Urlaub vorbei. Es geht zurück in den Alltag. Das Auto fasst sich komisch an. Ungewohnt. Es fährt sich auch ganz anders.

Deine rechte Hand ruht auf dem Gangknüppel, die linke auf dem Lenkrad. Dein Blick gilt der Straße. Deine Gedanken mir.

Meine linke Hand ruht auf deiner, streichelt sie sanft – ich sehe dich die ganze Zeit über an. Vielleicht kann ich dich ja noch einmal aufheitern, bevor sich unsere Wege vorerst wieder trennen. Ich lege meine Fingerspitzen auf dein Knie – schiebe damit deinen Rock hinauf. Aus einem Streicheln wird mit erhöhtem Druck ein Kratzen. Ich erreiche deine Scham. Spreize sie einwenig, spüre deine Feuchtigkeit (es geht also nicht nur mir so?). Du stöhnst auf, schließt deine Augen, krallst dich ins Lenkrad. „Hotel II – Traumhaft“ weiterlesen