Regen

Ich schlage den Kragen meines Mantels hoch. Der Regen rinnt bereits meinem Nacken hinab. Ich beginne mich zu fragen, warum ich dir zugesagt habe. Bei unserem letzten Treffen sagte ich dir, es gäbe nichts mehr zu reden. Ein Freund von mir sagte mal zu mir, je härter die Schale, desto weicher der Kern. Vermutlich hat er Recht.

Meine Zigarette ist durchgeweicht und aus. Wütend über mich selbst werfe ich sie in den kleinen Bach, der sich mittlerweile auf der Straße bildet. Ich hänge dunklen Gedanken hinterher. Die Wolken sind grau und der Wind treibt den Regen in Schleiern über die Straße. Natürlich hätte ich das Auto nehmen können. Aber manchmal brauche ich das. Der Regen reinigt die Gedanken, glaube ich.

Ich brauche das Klingelschild nicht lesen, deinen Namen nicht suchen. Ich drücke den Kopf.

„Ja?“, deine Stimme klingt schrecklich aus diesem kleinen Lautsprecher. Sie klingt so weit weg.

„Bereite dich vor, ich bin gleich da!“ sage ich, während ich mir noch eine Zigarette unter dem kleinen Vordach anzünde. 10 Minuten später öffne ich deine nur angelehnte Wohnungstür.

Du kniest in deinem Wohnzimmer. Das Halsband von mir um, sonst nackt. Den Kopf gesenkt. Auf deinen ausgestreckten Armen, Handflächen nach oben, eine neue Gerte. Du beweist Geschmack. Sie ist etwa 70cm lang, am Griff wurde weißes und schwarzes Leder miteinander verflochten. Ich mag deine subtilen Andeutungen auf unsere Gegensätzlichkeiten. Und dein meist süffisantes Lächeln dazu. Das gibt mir immer wieder einen Grund mehr.

„Sieh mich an!“ sage ich zu dir und du hebst deinen Kopf. „Warum? Sag mir einfach warum ich herkommen sollte!“. „Das weißt du doch tief in deinem Inneren selbst!“ antwortest du. Deine Stimme schwankt zwischen Angst, Selbstsicherheit und Hoffnung. Du bist zutiefst zerrissen. Und natürlich weiß ich, warum ich hier bin. Wir sind wie Magneten, die manchmal spontan ihre Polarität ändern: ganz plötzlich stoßen wir uns dann ab. Aber im Grunde gehören wir zusammen.

Ich lege meinen Mantel ab, öffne meine Krawatte. Ich nehme dir die Gerte ab und führe deine Hände auf den Rücken. Dort fessle ich sie mit meiner Krawatte. Ich öffne den obersten Knopf des schwarzen Eternas, dass du so magst. Ich knie mich dir gegenüber. Deine Katze setzt sich gleich eines Schiedsrichters neben uns.

Ich sehe dir in die Augen. Versuche meine Maske aufrecht zu erhalten. Nicht sofort über dich herzufallen. In mir tobt schon längst ein Orkan. Ein Orkan der nur darauf wartet, die kleine Hafenstadt zu verwüsten. Die langsam dahinschaukelnden Fischerboote in der Hafenmole in Aufruhr zu versetzen.

„Wir werden jetzt an einem deiner größten Defizite arbeiten: Geduld. Die wirst du bei mir brauchen. Und Gehorsamkeit. Du wartest hier! Ich gehe duschen.“

Siedend heiß läuft das Wasser an meinem Körper hinab und ich lehne mich mit den Händen an die geflieste Wand. Da sind sie wieder: meine Zweifel. Mache ich alles richtig? Mache ich überhaupt etwas richtig? Dieses ständige Hin und Her zwischen uns. Wohin soll es führen? Wie lange halte ich das durch? Du bist ein Grenzgänger. Wie ich. Immer auf der Suche nach den eigenen Grenzen. Nur um sie dann zu verschieben. Es wird Zeit, einige Grenzen neu zu definieren. Ich drehe das Wasser ab. Ich trockne mich provisorisch ab und binde mir das Handtuch locker um die Hüften. So gehe ich zu dir zurück.

Du warst ein braves Mädchen. Ich war sicher 25 Minuten im Bad. Du hast dich nicht einen Millimeter bewegt. Ich greife mit der linken in deine Haare, ziehe dich nach vorn, bereitwillig streckst du deinen Po hoch. Mit der rechten nehme ich die Gerte. Noch bevor ich selbst weiß, was gerade geschieht, zieren die ersten drei Striemen deinen wundervollen Arsch. „Hör auf zu spielen! Nicht mit mir! Du verbrennst dich. Nimm die dunkelste Nacht, die du kennst. Multipliziere sie mit 1000. Und du bist an meiner Dunkelheit noch nichtmal nah dran!“ herrsche ich dich an. Du nickst. Das Schlimme ist, ich bin mir sicher, dass du das selbst weißt. Wie eine Motte, die eine Kerze umkreist, nur um irgendwann in ihr zu verbrennen, reizt du mich. Wieder und wieder und wieder. Dein Arsch glüht mittlerweile, du beißt dir auf deine Unterlippe und atmest schwer.

Ich lasse Zeige- und Mittelfinger durch deine Nässe gleiten. Koste davon. Du schmeckst fantastisch! Deine Haare weiterhin haltend, ziehe ich das Handtuch ab, nehme meinen Schwanz in die Hand, ziehe meine Eichel kurz über deine Klit und dringe in dich ein. Ich lasse deine Haare los, kralle mich in deinen Arsch.Wieder und wieder stoße ich kraftvoll zu. Ziehe dich auf mich. Ich sehe zu, wie du vor mir kniest, mein Schwanz wieder und wieder deine Pussy fickt. Du warst ausgehungert. Anders kann ich mir kaum erklären, dass dich Welle um Welle der Orgasmus wegspült, du stöhnst deine Lust hinaus und ich genieße  jedes Zucken deines Beckens. Beobachte, wie du mal ins Hohlkreuz gehst, oder dich mal aufbäumst. Jedesmal, wenn ich kurz davor bin, halte ich kurz inne, oder lasse meine Zunge dich weiter verwöhnen. Ich will, dass du irgendwann um Gnade bettelst. Dass du willst, das ich aufhöre. Ob ich deinem Wunsch entspreche, entscheide ich dann spontan. Immer weiter treibe ich dich in diesen Strudel deiner eigenen Lust. In deine Willenlosigkeit hinein. Ich genieße das Beben deines Körpers, dein leises „Fuck – fuck – fuck!“ als dich die nächste Welle überrollt. Schweiß rinnt an dir hinab, den ich gierig von deinem Rücken lecke. „Bitte – komm mit mir!“ presst du zwischen deinen Lippen hervor. Ein Wunsch, dem ich nur gern entspreche. Ein letztes Mal schiebe ich ihn in dich, ziehe dich an deinen Haaren hoch und beiße in dein Ohrläppchen. Ich liebe die Bewegungen deines Beckens, wenn ich tief in dir komme.

Erschöpft kippen wir nach vorn. Das Laminat ist wunderbar kühl. Einige Minuten später trage ich dich in dein Schlafzimmer und lege dich auf dein Bett. Traurig siehst du mich an. „Du musst los, richtig?“

„Nein. Ich bin gekommen, um zu bleiben.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.